Haus in Schwanden bei Brienz, 2008 - 2009

Gemeinschaftsraum und hindernisfreier Zugang, Studienauftrag

Über dem Brienzer See zwischen Rothorn und Ballenberg liegt die Häusergruppe von Oberschwanden auf einem sonnigen, von den tiefen Einschnitten zweier Bäche begrenzten Geländerücken. Die urchigen Berner Oberländer Bauernhäuer, die sonnige Lage und der bedrohliche Lammbachgraben haben den Entwurf des Hauses wesentlich beeinflusst.

Die Wohnräume der sonnengebräunten Holzhäuser sind durch seitliche Veranden, rückwärtige Stallbauten sowie durch Dachräume über den Kammern vom rauen Alpenklima getrennt - die Menschen waren offenbar nur vorübergehend während einiger Jahrzehnte nicht gezwungen energieeffizient zu bauen. Gemauerte Keller verankern die Häuser im Gelände und heben das Holzwerk vom feuchten Erdreich ab. Mächtige Vordächer schützen die Fassaden vor Nässe und vor Wärmeverlust durch Abstrahlung. Gegen das Tal öffnen sich die Wohnräume durch bemerkenswert großzügige Fensterreihen.

Diese Grundprinzipien aufnehmend versucht der Entwurf eine substanzielle, auch heutige Mittel einsetzende Annäherung an die traditionelle Bauweise. Formal wird zu Gunsten einer soliden Behäbigkeit auf abstrahierende Anstrengungen verzichtet.

Das Haus ruht auf einem Untergeschoss aus Beton das keine Wohnräume enthält und einer dem Randbereich der Gefahrenzone des Lammbaches entsprechenden Schlammlawine standhalten würde. Der Eingangsbereich funktioniert als Wärmeschleuse. In der Art eines Iglu-Einganges betritt man den Warmen Bereich des Hauses von unten. In den mit Holz verkleideten Obergeschossen profitieren die Haupträume von der atemberaubenden Aussicht und werden zum Teil durch transluzente Latentspeicher in den Brüstungsverglasungen beheizt. Die Nebenräume sind bergseitig angeordnet. Der gedeckte Sitzplatz und zwei Gartenterrassen sind seitlich angeordnet und konnten deshalb - wie der benachbarte Bauerngarten - mit niedrigen Stützmauern in die Topografie eingefügt werden. Die Wohnräume werden von dunklem Nussbaumparkett geprägt. Markante Körper aus farbig lackierten Holzwerkstoffplatten oder aus Natursteinen setzen Akzente. Die Wärme für Bodenheizung und Warmwasser wird von einer solar unterstützten Luft-Wärmepumpe erzeugt.

Mit Sonja Grigo, Ernst Thöni
Fotos: Andrea Rist